Wie Füssen zu einem angesagten Kurort wurde

 

Verlag Foto-Kohlbauer

Sehnsucht nach einer Anderszeit. Wer diese Postkarte aus Füssen irgendwo in der Ferne aus dem Briefkasten nahm, war bestimmt ein bisschen neidisch und träumte sich an einen Ort wie diesen. Dorthin, wo es Zeit fürs Nichtstun gibt, an dem man sich inspirieren, mal richtig Luft von Alltag holen und einfach sein kann. Die historische Altstadt, eingebettet zwischen hohen Bergen und dem wilden Lech – eine traumhafte Kulisse nicht nur für einen Urlaub, sondern auch für einen Kuraufenthalt. Füssen mit seinen Ortsteilen Bad Faulenbach, Hopfen am See und Weißensee ist einer der Kurorte mit den meisten Prädikaten in Deutschland. Seit über 90 Jahren spielt die ganzheitliche Lehre von Pfarrer Sebastian Kneipp hier eine wichtige Rolle. In diesem Jahr wird sein 200. Geburtstag gefeiert (s.u. Infokasten). Kneipp und verstaubt? Von wegen! Seine Methoden erleben schon seit einiger Zeit eine Renaissance. Wasseranwendungen, Heilkräuter, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und innere Ordnung – alles topaktuell. Oder hätten Sie etwas dagegen, wenn Ihnen morgens im Bett eine Bademeisterin warme Heublumensäckchen auf den Rücken legen würde?


Stadtarchiv Füssen

Das idyllische Faulenbacher Tal ist die Wiege für den Gesundheitstourismus in Füssen. Von Bergen umrahmt, ist es geschützt vor kalten Winden und der klimatische Mikrokosmos beschert den Menschen hier meist ein paar Grad Celsius mehr als anderswo in der Stadt. Allein schon ein Spaziergang um die vielen Seen, eingebettet zwischen Wälder und Felswänden, lässt einen aufatmen. Die Einheimischen haben schon früh das Potential des Tals für Kuren erkannt. Sie wollten es nicht für sich allein haben, sondern auch andere an ihrem Lebensgefühl teilhaben lassen. Baden stand dabei offensichtlich schon in den 1920er Jahren hoch im Kurs. Frauen, Männer, Kinder – sie genossen die Natur, rutschten und sprangen ins kühle Wasser und kletterten auf die schwimmenden Baumstämme und Floße. Umkleiden konnten sie sich in den hölzernen Badekabinen und flanieren rund um das schöne Badecafé am Mittersee. Erholung pur!


Stadtarchiv Füssen

Füssens Heiltradition ist ein spannendes Stück Geschichte – nicht nur für Kneippfans, denn sie geht bis in die Römerzeit zurück. Für die Entwicklung zu einem renommierten Kurort war vor allem die besondere Geologie ausschlaggebend. Nicht allein wegen der äußeren Schönheit der Landschaft, sondern vor allem wegen der Bodenschätze, die in der Erde schlummern: Wasser, Moor, Schwefel und Gips. Letzterer klingt zunächst nicht nach Kur und Erholung. Jedoch besteht dieser aus Calcium-Sulfat, ein Mineral, aus dem sich auch Schwefel löst. Seit dem 16. Jahrhundert wurde unter Regie des Klosters Sankt Mang hier Gips abgebaut, der für prächtige Stuckarbeiten in Süddeutschland verwendet wurde, so u.a. für das Kloster Weltenburg oder das Schleißheimer Schloss bei München. Dabei wurde auch Schwefel ausgeschwemmt, der in Verbindung mit Wasser Schwefelquellen zu Tage treten ließ. Diese heilkräftigen Quellen hatten vermutlich schon die Römer entdeckt, die zur Sicherung der Via Claudia ein römisches Kastell auf dem heutigen Schlossberg errichtet hatten. Beim Umbau eines Hauses in Bad Faulenbach soll eine römische Villa, eine Therme, entdeckt worden sein. Archivalisch belegt ist dort allerdings nur der Fund eines mit römischen Münzen gefüllten Topfes. Dass der römische Kaiser Caesar hier gebadet haben soll, wie sich so mancher erzählt, gehört aber definitiv ins Reich der Legenden.
Im 10./11. Jahrhundert ließen die Mönche des Klosters Sankt Mang hier im Tal eine Siedlung anlegen und benannten sie nach dem durch das Tal laufenden Bach „Fohlbach“, was wohl so viel heißt wie „faul riechend“. Der intensive Geruch und faulige Geschmack des Wassers kommt vom hohen Schwefelanteil. Vom Ende des 15. Jahrhunderts sind Aufzeichnungen über ein Bad in Faulenbach erhalten, 1650 schreibt ein Kemptener Stadtarzt der Schwefelquelle heilkräftige Wirkung zu. Der öffentliche Badebetrieb, wo Mann und Frau zuerst zusammen, später – aus sittenrechtlichen Gründen – getrennt in den großen Zubern badeten, wurde allerdings 1710 eingestellt.


Bild rechts: Stadtarchiv Füssen

Doch ein findiger Faulenbacher namens Karl Hensel erkannte das heilkräftige Potential von Faulenbach und baute Mitte des 19. Jahrhunderts ein Mineralbad mit 18 Fremdenzimmern – und damit die erste Kurpension im Ort. In einer Medizinschrift rühmte ein Roßhauptener die Heilwirkung der Faulenbacher Schwefelquellen, die als Bade- und Trinkwasser genutzt wurden. Schwefelhaltiger Schlamm wurde teilweise verdünnt, erwärmt und – ähnlich wie Moorpackungen – als Auflage zu Heilzwecken verwendet. Auch inhalierten die Kurgäste mit Schwefel, um Erkrankungen der Atemwege zu lindern. Aus dem Schwefelbad wurde 1930 das Notburga-Sanatorium, in dem Schwefeltinkturen, -bäder und Moortherapien angeboten wurden.

Dann kam die Kneipp-Lehre nach Faulenbach. Nach dem ersten Weltkrieg rückte die neue Methode langsam in das Bewusstsein der Menschen. Mit seiner ganzheitlichen Gesundheitslehre konnte Sebastian Kneipp vielen Menschen helfen und wurde schon zu Lebzeiten weithin bekannt, noch populärer jedoch nach seinem Tod 1897. In „Mein Testament“ und anderen Büchern beschreibt er u.a. genau, wie Bäder, Güsse, Waschungen und Wickel durchgeführt werden sollten. Ihm ging es aber zeitlebens um die ganze Sicht auf den Menschen. Lange Zeit nur als Wasserdoktor bekannt, trifft das nicht den Kern seiner Lehre. Zwar heilte er sich als junger Student – aufgegeben von den Ärzten – durch kalte Bäder in der Donau selbst von einer Schwindsucht, woraus er zahlreiche Wasseranwendungen zur Stärkung des Immunsystems entwickelte. Um Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen, empfahl er aber ebenso die Verwendung von Heilkräutern, eine gesunde Ernährung und moderate Bewegung an der frischen Luft. Als fünfte Säule nimmt die „innere Ordnung“ einen besonderen Platz in seiner Lehre ein. Doch dazu später.
Auch in Füssen wollte man den Menschen das Gedankengut und die Lebensphilosophie Kneipps vermitteln. Wie aus der Chronik des Kneippvereins Füssen hervorgeht, gründete sich dieser 1929 spontan nach einem Vortrag von Bonifaz Reile, der erster Mitarbeiter Kneipps in Bad Wörishofen war. Offensichtlich begeisterte er seine Zuhörer so sehr, dass sich 13 Füssener, darunter Bürgermeister, Schulrat, Gewerberat, Kaufmänner und Architekten, noch am gleichen Abend zu einem provisorischen Ausschuss zusammen taten. Sie erkannten nicht nur das gesundheitliche Potential der Kneipplehre, sondern auch, wie man mit speziellen Kuren dem „Fremdenverkehr“ auf die Sprünge helfen könnte. Erholen und kuren in königlicher Kulisse – ein Ansatz, der bald erfolgreich sein sollte.

Carola Schweiger, die seit 2014 Vorsitzende des Kneippvereins Füssen ist und lange Zeit das gleichnamige Kurhotel in Bad Faulenbach leitete, sieht in Sebastian Kneipp einen Visionär. „Für mich ist er der Popstar des 19. Jahrhunderts, was Gesundheit betrifft. Er hat früh erkannt, dass mit der beginnenden Industrialisierung ein ganz neues Zeitalter anbrechen wird und dass die Menschen in ihrer Lebensweise dadurch einen großen Einschnitt erfahren werden. Er ermahnte seine Zeitgenossen dazu, dass sie sich in einer immer schneller werdenden Zeit nicht selbst vergessen und gut auf ihre Gesundheit achten. Ich finde, das Thema ist heute noch genauso aktuell.“
So lesen sich auch die Inhalte der Angebote, die die Mitglieder des neu gegründeten Kneippvereins organisierten, recht modern. Sie waren ziemlich umtriebig, um die Kneipp’sche Lehre in die Köpfe und Herzen der Menschen zu bringen. So gab es Vorträge zum Thema „Güsse, Wickel und Packungen“, „Kranke Nerven und seelische Konflikte“, „Magen-, Darm- und Stoffwechselleiden“ und Veranstaltungen wie u.a. Filmvorführungen, einen „Koch- und Diät-Nachmittag mit praktischer Hausfrauenschulung“ und Kräuterwanderungen mit Frühgymnastik und Spielen. Die Stadt ließ einen Wassertretplatz und eine Tretwiese zum Tau- und Barfußlaufen anlegen, der Kneippverein einen Kräutergarten. Die Faulenbacherin Lina Geyer errichtete 1936 ein neues Gieß- und Badehaus für Kneippkuren, bald darauf baute das Hotel Wiedmann mit Badewannen aus Zink, Massagebank und Gussraum die erste Grundausstattung einer Kneippkurabteilung in Füssen.
Franckh-Verlag Stuttgart

Foto-Arnold Füssen

1938 wurde Füssen zum Kneippkurort ernannt. Dabei waren wohl nicht nur die günstigen klimatischen Verhältnisse und die zahlreichen Kurmöglichkeiten ausschlaggebend für die Auszeichnung. In der „Kur- und Fremdenzeitung für Füssen, Hohenschwangau und Schwangau“ heißt es dazu:
„Was Füssen allerdings besonders auszeichne und über andere Orte hinausragen lasse, ist das harmonische Zusammenklingen von Natur, Kunst und Geschichte, Heilklima und Romantik, wie dies anderswo auch nicht annähernd so festzustellen ist.“
Ein perfektes Gesamtpaket also und so ganzheitlich wie die Lehre Kneipps. Von da an ging es steil bergan. Aus allen Richtungen kamen Kurgäste in die romantische Stadt am Alpenrand, um zu genesen oder gesund zu bleiben. Vier bis sechs Wochen dauerte damals ein Kuraufenthalt. Bereits 1939 gab es mehr Anfragen als Kapazitäten. Doch das war nur von kurzer Dauer, der Zweite Weltkrieg bereitete der Entwicklung ein Ende. Nach Kriegsende erholte sich die Region nur langsam. Doch als Füssen 1958 zum Heilbad ernannt wurde – also mitten in den Wirtschaftswunderjahren – boomte der Gesundheitstourismus schon wieder und es entstanden neue Kurhotels, Sanatorien, Kurheime und Bäderabteilungen in der Stadt.
Noch schlummern die Kneippanlagen im Winterschlaf wie hier der Pavillon der Bad Faulenbacher Kneippwiese, auf der die Geschichte Füssens als Kneippkurort ihren Anfang nahm. Seitdem hat sich die Stadt mit ihrer langen Heiltradition beständig weiterentwickelt – und damit auch die Art und Weise, Kneipps Lehre erlebbar zu machen. Auch im heutigen Füssener Ortsteil Hopfen am See spezialisierten sich viele Hoteliers, Therapeuten und Bademeister auf Kneippkuren. 1968 wurde die damals noch eigenständige und 1978 nach Füssen eingemeindete Gemeinde ebenfalls als Kneippkurort anerkannt.

Pfarrer Kneipp ging es aber nicht nur darum, Kranke zu heilen. Er wollte durch seine Lehre präventiv wirken und die Gesundheit der Menschen erhalten. Ein gutes Immunsystem war für ihn die beste Vorbeugung. Auch heute noch liegt der Schwerpunkt der Kneippangebote in Füssen auf der Prävention. Dabei sollen gesundheitsbewusste Einheimische wie Gäste Kneipps Ideen und ihre wohltuende Wirkung unkompliziert, zeitgemäß und mitten in der Natur erleben können.

So gibt es in Füssen und in den Ortsteilen Hopfen am See und Weißensee öffentliche Kneipp-Erlebnisareale, die noch bis Mitte des Jahres im Rahmen des Interreg-Förderprojektes „Lebenspur Lech“ weiter ausgebaut werden. In Bad Faulenbach können sich Kneippianer im Tretbecken auf der Kneipp-Wiese, an der Kneippgussstelle und an einem Trinkbrunnen erfrischen oder am Ruheplatz am Faulenbach und im Kneipppark am Mittersee, der bis Mitte 2022 fertiggestellt sein wird, den Alltag hinter sich lassen. Am Weißensee laden ein Ruhepavillon und Panoramabänke zu einer Pause ein, außerdem gibt in der Nähe des Seeufers ein Tret- und Armbecken, einen Bewegungsparcours und eine Wasserspielstelle für Kinder. In Hopfen am See kann man sich entlang der Uferpromenade gleich an drei Kneipp-Tretbecken erfrischen. Ein Tretbecken ist direkt auf dem See: auf einer schwimmenden Kneipp-Insel kann man den kneipptypischen Storchenschritt direkt im Seewasser üben – mit traumhaften Ausblicken auf Schloss Neuschwanstein und die Berge. Außerdem sind dort eine Kräuterspirale angelegt worden sowie Gedankenbänke mit Kneipp-Zitaten, die informieren und inspirieren sollen – genau wie die Info-Stelen an diesem und anderen Kneipp-Plätzen im Stadtgebiet wie zum Beispiel im Terrassengarten am Hohen Schloss. Die Kneipp-Radrunde, eine vom ADFC zertifizierte Themenroute, verbindet auf knapp 25 Kilometern alle Füssener Kneippstationen miteinander.

Außerdem hat Füssen gemeinsam mit Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilian-Universität in München erforscht, wie sich die Schlafqualität mit Kneipp’schen Anwendungen verbessern lässt. Auf Basis einer dreijährigen medizinischen Studie wurde das dreiwöchige Präventionsprogramm „Gesunder Schlaf durch „Innere Ordnung“ entwickelt, das als Kompaktkur angeboten wird.

Ein weiterer Schritt in Bereich gesunder Schlaf war die Schulung und Zertifizierung spezieller „Schlafgastgeber“, die ihren Gästen alles für den erholsamen Schlaf anbieten – vom Elektrosmog-reduzierten Zimmer über eine Kissenbar bis zum Gespräch mit dem betriebseigenen „Schlaflotsen“.
Was es mit der „Inneren Ordnung“ auf sich hat, damit beschäftigt sich besonders Pater Michael vom Füssener Franziskanerkloster. Er ist in Füssen für die Kur- und Gästeseelsorge zuständig und hält auch immer wieder Vorträge über die Naturheillehre von Sebastian Kneipp. Für ihn ist die „Innere Ordnung“ deren Mittelpunkt. Er selbst hat zu Kneipp gefunden, als er in einer gesundheitlichen Krise war. Vor vielen Jahren litt er an starkem Übergewicht und musste dringend abnehmen, um wieder gesund zu werden. Dabei stieß er auf Kneipps Lehre und entdeckte sie im Laufe der Zeit als Wissenschaft der Seele. „Erst als ich daran ging, Ordnung in die Seelen meiner Patienten zu bringen, hatte ich vollen Erfolg“, zitiert er Pfarrer Kneipp. Dabei geht es einerseits darum, das rechte Maß zwischen den Gegenpolen zu finden, um innerlich ausgeglichen zu sein. Ein Zuviel oder Zuwenig von etwas, führt demnach zu einem Ungleichgewicht im Körper, aber auch im Geist und in der Seele. Stress – Entspannung, Arbeit – Freizeit, Wachen – Schlafen sind beispielsweise solche Gegenpole. Beide sind notwendig, sie in der Mitte zu halten, darin liegt die Ordnung.

Bei dem Begriff geht es seiner Meinung auch um etwas, was nicht sofort greifbar ist. „Ich finde, man muss das Wort Ordnung für die heutige Zeit übersetzen“, meint der Pater, „Balance und Achtsamkeit greifen da ein bisschen zu kurz.“ Deshalb vergleicht er sie mit einem Spinnennetz. „Die Spinne kann sich ein schönes Netz spinnen. Wenn sie es von der Ferne ansieht, ist sie vielleicht zufrieden, nur der obere Faden gefällt ihr nicht. Wenn sie ihn aber durchtrennt, wird das ganze Netz in sich zusammenfallen.“ Pater Michael will damit bewusst machen, was es heißt, vom „oberen Faden“ getrennt zu sein. Er sieht ihn als unsere Verbindung zu etwas Höherem an – unabhängig davon ob man es Gott, allumfassende Liebe, Frieden oder Universum nennt. Diese Verbindung wieder zu suchen und herzustellen, um Halt im Leben zu finden, bildet seiner Meinung nach den Kern der Kneipp’schen Lehre.
Aber wie kann man diesen Faden finden? „Ich frage die Menschen, was sie brauchen, nach was sie sich sehnen und worin sie den Sinn ihres Lebens sehen“, erklärt Pater Michael. Er selbst bekommt seine Antworten im Gebet und in der Verbindung zu Gott, die ihm persönlich Orientierung im Leben gibt. Andere Menschen könnten sie in der Meditation, beim Praktizieren von bewusstem Atmen oder Yoga, bei Achtsamkeitsübungen oder im Tanz finden. Kneipps Ansatz ist für ihn eine Erfahrungslehre, in der der Pfarrer Theorie und Praxis zusammengebracht hat und sie zeitlebens an sich selbst ausprobiert und angewandt hat. Ein tägliches Bemühen also. „Ich kann ja nicht einfach die Schublade aufmachen und daraus neue Gewohnheiten, eine Verbindung zu mir selbst und zu etwas Höherem rausholen, an das ich glaube.“ Die innere Ordnung sei vergleichbar mit einer Beziehung, die man hege und pflege und die sich so immer weiter entwickeln und vertiefen könne. „Auch ich bin nicht am Ziel, sondern jeden Tag aufs Neue auf dem Weg dorthin.“

Zeit zum Nachsinnen und Nachspüren. Gerne geht Pater Michael dazu hinaus in die Natur. In Bad Faulenbach leckt die Sonne die Schneereste von den Wiesen und bringt das Eis zum Schmelzen. Pfarrer Sebastian Kneipp wäre hier sicher gerne barfuß im Storchengang durch den Schnee gewatet, hätte ein Kältebad im See genommen und sich an den ersten Blumen erfreut, die ihre Köpfe dem Licht entgegen recken. Die Wärme und die klare Luft versprechen einen neuen Frühling. Vielleicht die beste Jahreszeit, um auch „Ordnung“ ins eigene Leben zu bringen, sein Immunsystem zu stärken und damit den Stürmen der Zeit besser zu trotzen.

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) betrachtete den Menschen, seine Gewohnheiten und Umwelt als Einheit und erforschte die heilende Kraft der Natur. Damit war er seiner Zeit weit voraus. Seine Erkenntnisse baute er zu einer systematischen, ganzheitlichen Naturheillehre aus, die auf dem Zusammenspiel von Wasser(-anwendungen), Bewegung, gesunder Ernährung, der Anwendung von Heilpflanzen und innerer Ordnung – also von fünf Säulen – beruht. Dass seine Gesundheitslehre einmal so viele Anhänger finden und so lange Zeit bestehen würde, hatte er sicher nicht gedacht. Das Kneipp’sche Naturheilverfahren ist von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt worden.
Bereits 1921 war auf der offiziellen Festpostkarte zu Kneipps 100 Geburtstag zu lesen: „Es blüh‘ Dein Werk noch vielmal hundert Jahr.“ Jetzt haben Kneipps Ideen weitere hundert Jahre überdauert und sind immer noch aktuell. Zu seinem 200. Geburtstag in diesem Jahr organisiert der Kneippverein Füssen mit Unterstützung durch das städtische Kulturamts und durch Füssen Tourismus und Marketing im Mai und Juni verschiedene Veranstaltungen wie eine ökumenische Feier zu Kneipps Ehren, ein „Ankneippen“ auf der Kneippwiese in Bad Faulenbach und ein Jubiläumskonzert. Das aktuelle Programm steht auf
www.kneippverein-fuessen.de und auf www.fuessen.de.

Karl Neuwihler Verlag