Warum „Schlafen wie ein König“ manchmal gar nicht so gut ist

 

Wer in so einer großartigen Landschaft mit ihren Bergen, Seen, Wiesen und Wäldern auf einem Schloss residiert, sollte des Nachts doch richtig gut schlafen – und morgens ganz erholt aufwachen. Wäre anzunehmen. Doch der bayerischen Märchenkönig Ludwig II. war in jeder Hinsicht speziell. Er machte die Nacht zum Tag. Das lag nicht an zu wenig frischer Luft – die hatte er hier ja reichlich.

Vielmehr hatte sich der Monarch ein richtig ungesundes Verhalten antrainiert. Denn: Er war am liebsten ganz für sich. Um möglichst wenigen Menschen zu begegnen, zog er sich mit zunehmendem Alter immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück – auf seine Bergresidenzen und in die Nacht. So schrieb er 1871 an den von ihm hoch verehrten Komponisten Richard Wagner:
„Auch ich liebe nicht das Befassen mit neuen Menschen, wie Sie sich ausdrücken, auch will ich mich der verdammten Höllendämmerung, die mich beständig in ihren qualmenden Dunstkreis reißen will, entziehen, um selig zu sein in der erhabenen Berges-Einsamkeit, fern von dem ‚Tage‘, dem verhassten Feind, fern von der Tages-Sonne sengendem Schein!“

Und so ging er meist erst morgens ins Bett und schlief bis zum Abend. Er arbeitete und aß zu Zeiten, wo wir selig in unseren Kissen schlummern – oder zumindest versuchen, eine große Mütze Schlaf abzubekommen. Gut zu schlafen und erholt aufzuwachen ist für viele von uns aber nicht selbstverständlich. Immer mehr Menschen leiden unter leichten bis massiven Schlafstörungen. Sie sind morgens nicht ausgeruht, tagsüber erschöpft und schlafen in der Nacht trotzdem nicht gut. Ein Teufelskreis, der körperliche und geistige Folgen haben kann.

Zeitdruck und Stress bei der Arbeit, Schichtarbeit, zu wenig Tageslicht und Bewegung im Freien und Ablenkungen wie Smartphone & Co. noch kurz vor dem Zubettgehen – da kommt unserer natürlicher Wach-Schlaf-Rhythmus aus dem Takt.

Auch Ludwig II. ignorierte diesen vollständig. Wegen seinem Nachteulen-Dasein wurde er später sogar Mondkönig genannt. Ausgerechnet, denn sein großes Vorbild war zeitlebens Ludwig XIV., der Sonnenkönig von Frankreich.

Wie das nächtliche Programm wohl seinen Bediensteten bekam? Leibkoch Theodor Hierneis überlieferte in seinen Memoiren, dass die Diener sich ebenfalls die Nächte um die Ohren schlagen mussten, um die Anweisungen des Königs nicht zu „verschlafen“. Sie hätten nie genau gewusst, wann er zu speisen gedachte oder Ausfahrten mit seinem beleuchteten Prunkschlitten rund um die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau plante.

Ludwig brachte also auch seine Angestellten aus ihrer „inneren Ordnung“, wie Pfarrer Sebastian Kneipp es bezeichnet hätte. Dieser entwickelte seine Fünf-Säulen-Gesundheitslehre im Allgäu und wäre er des Königs Leibarzt gewesen, hätte er ihm sicher eine ordentliche Abreibung mit kaltem Wasser verpasst. Darauf schwor der Gesundheitsdoktor nämlich.

Kneipps Lehre bietet aber noch viel mehr. Der Kneippkurort Füssen hat in den vergangenen Jahren gemeinsam mit Forschern der Ludwig-Maximillians-Universität München in einer Studie untersucht, wie sich Anwendungen aus Kneipps Lehre auf die Nachtruhe auswirken. Auf Grundlage der Ergebnisse wurde ein kneippbasiertes Präventionsprogramm für gesunden Schlaf entwickelt, das lebensstilbedingten Schlafstörungen entgegenwirkt.

Einige Gastgeber in Füssen haben sich speziell schulen und als Schlafgastgeber zertifizieren lassen. So stehen sie Gästen mit ihrem Wissen zur Seite und haben auch ihre Gästezimmer schlaffördernd umgebaut und u.a. mit hochwertigen Matratzen, verstellbaren Lattenrosten und abgestuftem Tages-, Abend- und Nachtlicht ausgestattet. Außerdem bieten sie eine Auswahl an Hilfsmitteln wie Duftöle, Tee-Mischungen und verschiedene Kissen an.

Viele Schlafstörungen sind tatsächlich antrainiert – wie bei Ludwig – und deshalb durch Verhaltensänderungen wieder in Balance zu bringen. Allein schon das eigene Schlafzimmer unter die Lupe zu nehmen, kann schon einiges bewirken. Immerhin verbringen wir ein Drittel unseres Lebens darin!

Mit Betten kennt sich Erich Reitebuch gut aus. Der Schreiner aus Pfronten berät neben Privatkunden auch Gastgeber dabei, was sie für einen erholsamen Schlaf tun können. Er schwört auf Zirbenholz. „Meine Devise ist: Man kann sich guten Schlaf wirklich angewöhnen. Die Zirbe hilft dabei. Wenn die Leute aus ihrem Stadtalltag hierher kommen, dann sind sie meist durch. Es gibt doch nichts Schlimmeres als in der Nacht Kopfkino zu haben. Zibenholz beruhigt die Herzfrequenz, man kommt zur Ruhe und kann leichter abschalten.“

In seiner Werkstatt fertigen er und seine Mitarbeiter unter anderem Betten und Schränke aus Zirbe. Auch kleidet er immer wieder Räume komplett mit dem besonderen Holz aus. Das soll Elektrosmog abschirmen. „Schon allein der Geruch ist faszinierend und verändert die ganze Atmosphäre. Viele Gäste kennen das alpenländische Holz gar nicht und sind überrascht, wie angenehm es auf den ganzen Körper ausstrahlt.“ Für den Anfang reicht vielleicht auch erst einmal ein Kissen, das mit Zirbenholzspänen gefüllt ist. „Das Bett ist der Mercedes beim Thema Zirbe, aber schon allein ein Kissen kann den Schlaf verbessern und ist eine tolle Möglichkeit, mal zu schauen, wie das Holz auf einen wirkt.“

Ein Zirbenkissen oder noch besser ein Bett aus dem wohl duftenden Holz wäre vielleicht auch etwas für den König gewesen. Bei der Ausstattung seiner Schlafgemächer hat er sich besonders ins Zeug gelegt. So ließ er sich zum Beispiel in sein Schlafzimmer auf Schloss Hohenschwangau von seinen Kulissenbauern einen Sternenhimmel aus Kristallen, einen beleuchtenden Mond und eine Felsengruppe mit Wasserfall bauen, dessen Rauschen seinen beschäftigten Geist beruhigt haben soll. Auf einer Kommode stand eine Projektionsmaschine, die Regenbögen erzeugen konnte. So schlecht fänden das die heutigen Schlafforscher wahrscheinlich gar nicht. Denn sanft beleuchtete Räume sollen zumindest dabei hilfreich sein, den Übergang vom Tag zum Einschlafen hin zu fördern.

Mehr Tipps und Infos für einen nachhaltigen Schlaf gibt in der Füssener ‚Schlaffibel‘ zu lesen, in der die wichtigsten Ergebnisse und Empfehlungen aus der Studie zusammenfasst sind. Mehr dazu steht auch auf www.fuessen.de/gesundheit/besser-schlafen online.

In diesem Sinne: Schlafen Sie gut und auf keinen Fall wie ein König!