Schlemmen mit Seeblick

Markante Berggipfel, glitzernde Seen und das sanfte Flüstern des Wassers: So ein Panorama ist die perfekte Bühne für ein tolles Essen. Ein Genuss für alle Sinne und mit jedem Häppchen rückt der Alltag ein Stück weiter in die Ferne. Die Region Füssen ist gesegnet mit Seen - und mit Menschen, die das kulinarische Herz ihrer Gäste höherschlagen lassen.
Ob direkt am Ufer, einige wenige Schritte davon entfernt oder sogar auf dem Wasser: Diese Restauranttipps führen an Orte, an denen Gastlichkeit, Genuss und Landschaft zu einem besonderen Erlebnis verschmelzen. Und wer will sich schon die Schokoladensahne an Bord der MS Füssen, die Bouillabaisse aus Süßwasserfischen im Seehaus, den Zwiebelrostbraten im Restaurant Alatsee oder das Linsencurry am Kiosk Schwansee entgehen lassen?
Hier geht's zu den Genussmomenten mit Seeblick:
1. Logenplatz: Das Seehaus Hopfensee
Schön, wenn das Urlaubsglück so nah im Süden Deutschlands liegt. Die Abendsonne streift die Gipfel des Säuling und der Allgäuer Berge und haucht dem Hopfensee einen silbrigen Schauer auf seine wellige Oberfläche.
Das einstige, in die Jahre gekommene Strandbad in Hopfen am See hat die Badehose gegen ein stilvolles Gastro-Kleid mit Urlaubsfeeling getauscht. Großzügig und mit viel Luft zum Atmen ist das Restaurant Seehaus direkt am Ufer des Hopfensees gestaltet. „Ich wollte eine lockere und gleichzeitig gemütliche Atmosphäre mit viel Glas und einer Lounge schaffen, auch ein bisschen Allgäu sollte mit dabei sein", erzählt Eigentümer Fritz Schweiger. „Zudem war von Anfang an geplant, hier auch Veranstaltungen wie Hochzeiten und Firmenfeiern durchzuführen, deshalb müssen wir schnell umstellen und umbauen können."
Vor sechs Jahren wurde das Seehaus eröffnet und ist bei den Einheimischen genauso beliebt wie bei den Urlauber*innen, die den besonderen Platz am Ufer genießen.
Während die Aussicht den Gästen ein "Ah" entlockt, sorgt die Küche des Seehauses für das "Ooh". Neben mediterraner Leichtigkeit mit verschiedenen Fischgerichten, gebratenen Riesengarnelen und Oktopus sowie fangfrischen Austern steht – ganz selbstbewusst - die bodenständige Küche des Alpenraums mit Kässpätzle, Wiener Schnitzel und Züricher Geschnetzeltem auf der Menükarte.
„Ich denke, wir haben eine gute Mischung für unsere Gäste gefunden", meint Restaurantleiter Helmut Moser (Mitte), der den Stammgästen allerdings nur unter seinem Spitznamen "Curly" bekannt ist. „Da ich Österreicher bin, habe ich natürlich ein paar Klassiker aus meiner Heimatküche reingebracht wie Kaspressknödel oder Palatschinken."
Die Speisekarte ist ein kreatives Gemeinschaftswerk von ihm, Fritz Schweiger (li.) und Betriebsleiter Stephan Müller (re.). „Es ist schön, dass ich ein Haus besitze, in dem so gekocht wird, wie ich es selber gerne mag. Ich wollte unbedingt ein Wiener Schitzel aus der Pfanne auf der Karte haben", erzählt Fritz Schweiger und lacht, „denn diesen Klassiker esse ich besonders gern, wenn er gut gemacht ist. Jetzt steht er zusammen mit dem Filetsteak in der Hitliste unserer Gäste ganz oben."
Neben der Aussicht auf das Bergpanorama können die Seehaus-Fans durch zwei große Glasfenster auch dem Küchenteam zuschauen und sich Appetit holen. Die Zutaten für die Allgäuer Küche stammen so weit möglich aus der Region: So liefern spezialisierte Händler*innen aus einem Umkreis von 50 Kilometern Käse, Wurst, Gemüse und Obst. Statt wie bei einer klassischen Bouillabaisse mit Salzwasserfischen wird die provenzalische Fischsuppe mit Süßwasserfischen vom Bodensee zubereitet, der Zander kommt ab und an sogar vom nahegelegenen Weißensee.
„Auch bei der Weinauswahl macht sich der Einfluss unseres Restaurantleiters bemerkbar. So viele österreichische Weine wie jetzt hatten wir noch nie auf der Karte", meint Fritz Schweiger und lobt seine beiden Mitarbeiter. „Curly ist unser Mr. Seehaus und ich weiß, dass er sich ganz mit dem Restaurant identifiziert. Etwas Besseres kann mir als Eigentümer nicht passieren. Wenn ich weiß, dass er und Stephan Müller im Haus sind, kann ich selbst auch mal unbesorgt in den Urlaub fahren."
Jeder Gast wird im Seehaus persönlich empfangen und an den Platz gebracht. Von Sylt bis Sansibar hat "Curly" zuvor in 16 Ländern gearbeitet, zuletzt auf der Cilli Hütte am Hahnenkamm bei Reutte. Doch vom Seehaus möchte er auf keinen Fall mehr weg. „Es ist wie mein Wohnzimmer. Ich sage jeden Tag zu Fritz und Stephan, wie schön wir es hier haben. Um 7 Uhr morgens komme ich her und schwimme erst einmal eine Runde im Hopfensee."
Neben dem Service und dem Essen gilt Curlys große Leidenschaft den Blumen. Die gesamte Dekoration macht er jeden Tag selbst - auch für Hochzeiten. „Er holt sie, zupft sie, gießt sie - und übertreibt ein bisschen damit", meint Fritz Schweiger augenzwinkernd.
Betriebsleiter Stephan Müller war über 34 Jahre in der Bankenwelt zu Hause, arbeitete nebenher aber bereits als Hausmeister für das Seehaus, bevor er 2024 ganz zu dem Betrieb in die leitende Funktion ins Büro wechselte. Seine Entscheidung hat er nie bereut und mag es, dass im Seehaus kein Tag ist wie der andere. „Ich bin selbst in Urlaubsstimmung, wenn ich auf den See schaue. Gemeinsam daran zu arbeiten, dass unsere Gäste hier eine gute Zeit haben und ein Stück weit glücklicher wieder hinausgehen, als sie gekommen sind, macht einfach unglaublich viel Spaß."
Zum Seehaus gehört auch der kleine Kiosk, an dem es Klassiker wie Pommes Frites und Currywurst für Badegäste gibt, die sich dann in den gemütlichen Biergarten setzen und ebenfalls die Aussicht genießen können. „Einige der Mitarbeitenden am Kiosk stammen aus Ungarn und ergänzen unsere Vielfalt, indem sie ihre persönliche Note einbringen und Heimatliches wie Szedinger Gulasch oder Nudeln mit Pfifferlingrahmsoße auf ungarische Art kochen – eigentlich eher ungewöhnlich für einen Kioskbetrieb", erklärt Stephan Müller.
Gleich hinter dem Biergarten beginnt die weitläufige, gepflegte Liegewiese mit großen, schattenspendenden Bäumen und flachen Einstiegen ins Wasser.
Auch Fritz Schweiger genießt jeden Besuch in seinem Seehaus. Gerne sitzt er ein bisschen abseits unter dem feinen Sprühnebel, der im Sommer für Erfrischung sorgt - oder im Winter unter der Wärmelampe. „Von hier sehe ich das gesamte Panorama. Der Hopfensee und der Ort Hopfen liegen einmalig. Doch allein die Lage reicht für ein erfolgreiches Restaurant nicht aus. Man braucht eine tolle Küche und einen herzlichen Service."
Und sein Restaurantleiter ergänzt lachend: „Ich sage zu den Gästen immer spaßeshalber, wenn ich sie am Tisch platziere: Kennt Ihr die Queen Mary 2? Ihr sitzt hier wie auf dem Oberdeck, First Class! Die Kabine kostet 500 Euro pro Person und Nacht. Und wenn es draußen kalt wird, dann können sie sich einfach an den knisternden Holzofen setzen."
2. Seegucker: Das Restaurant im Hotel Alatsee
Wie aus einem Märchen: Eingerahmt von bewaldeten Bergrücken liegt das Hotel Alatsee am Ufer des gleichnamigen Gewässers, um das sich zahlreiche Mythen ranken. Vor allem aber hat dieser Platz Miriam und Janos Kemmler verzaubert, die den Betrieb seit 16 Jahren gemeinsam führen und für einige Zeit mit ihren drei Kindern auch direkt im Hotelgebäude gewohnt haben. „Für uns ist das ein richtiger Herzensort und wir fühlen uns hier daheim. Wir haben das Haus mit dem See und den Zweiländerblick oberhalb bestimmt schon tausendmal fotografiert und denken immer noch: Boah, ist das schön hier!", erzählen die beiden auf der großen Restaurantterrasse mit direktem Blick auf den türkisgrün leuchtenden See.
„Einfach und lecker", fassen die Kemmlers ihre Küchenphilosophie zusammen. Auch wenn beide ihre Erfahrungen in der gehobenen Gastronomie gesammelt haben, wollen sie am Alatsee bewusst bodenständig kochen. Es ist keine Küche, die sich neu erfinden, sondern Bekanntes handwerklich besonders gut machen will.
Dennoch bringt die Lage am See auch ihre Herausforderungen mit sich: „Zu uns kommen nicht nur Leute, die gerne schön zum Essen gehen wollen. Wander*innen und Radfahrer*innen kehren hier auf eine Brotzeit ein, Badegäste holen sich Eis oder Pommes und Familien und Paare feiern gerne ihre Lebensfeste bei uns. Das sind ganz unterschiedliche Gäste mit jeweils eigenen Wünschen und wir wollen sie gerne erfüllen."
Auf der Karte stehen Allgäuer Klassiker wie Zwiebelrostbraten vom Rind und Käsespätzle, Hirschedelgulasch und gebratenes Lachsforellenfilet - aber auch einfachere Gerichte wie Ofenkartoffeln oder Brotzeiten. „Manchmal sind es die ganz einfachen Dinge, die Menschen glücklich machen. Von unseren Pommes schwärmen die Kinder aus der ganzen Umgebung", erzählen die beiden schmunzelnd. Auch die Auswahl an den größtenteils selbstgemachten Kuchen ist bei den Gästen beliebt, genauso wie das cremige Kürbiskerneis oder die Schokoladenmousse mit Sauerkirschragout.
Hochwertig und möglichst regional müssen die Zutaten für ihre Gerichte sein, so der Anspruch der Kemmlers. Sie beziehen diese hauptsächlich aus dem Allgäu und und dem benachbarten Tirol, wie beispielsweise Fisch aus Memmingen oder Lechaschau im Außerfern. Der Käse für die Brotzeiten kommt aus Altusried und Vorarlberg.
Dass das Paar am Ufer des Alatsees "gestrandet" ist, war übrigens ungeplant. Miriam Kemmler stammt aus Füssen und kannte das Haus von Ausflügen in ihrer Kindheit. Sie lernte ihren späteren Mann Janos in Kitzbühel kennen. Beide hatten bereits Erfahrungen in renommierten Küchen gesammelt und träumten davon, ins Ausland zu gehen und noch mehr von der Welt zu sehen. Doch manche Entscheidungen trifft das Leben selbst und es kam alles anders - das erste Kind kündigte sich an und mit ihm die Frage: Wie lassen sich Familie und Beruf miteinander verbinden?
Kurz darauf ergab sich die Gelegenheit, das Restaurant und Hotel am Alatsee zu pachten. Die Entscheidung, das Haus gemeinsam zu führen, sei mehr eine Bauchentscheidung als ein Resultat eines ausgearbeiteten Businessplans gewesen, erzählt das Paar. „Wir waren damals mit Anfang Zwanzig noch sehr jung und im Nachhinein betrachtet auch ein bisschen blauäugig. Das war ja ein Riesenschritt, aber irgendwie haben wir eine gewisse Leichtigkeit dabei gespürt und haben es einfach probiert." So öffneten die beiden im Dezember 2010 die Türen, zwei Monate später wurde ihre erste Tochter geboren.
In vieles ist das Paar im Laufe der Zeit hinein gewachsen - auch mit Unterstützung von Miriam Kemmlers Eltern und ihren Mitarbeitenden, von denen einige schon seit Anfang an dabei und für die beiden mittlerweile auch eine Familie sind. „Wir sind zwar die Gastgebenden, aber wir können das nur leisten, weil wir unser Team im Rücken haben. Das Hotel ist unser absolutes Herzensprojekt und wir wissen es sehr zu schätzen, wie sich unsere Mitarbeiter*innen engagieren und ihr eigenes Herz hineingeben."
Entscheidungen treffen sie deshalb meist gemeinsam mit ihrem Team, so wie zuletzt als Janos Kemmler aus gesundheitlichen Gründen in der Küche aufhören musste und nun in Kempten Zukunftstourismus studiert. „Ich habe mich erst gefragt, wie ich das schaffen kann, doch unsere Mitarbeitenden haben uns bestärkt, dass sie an unserer Seite sind und mithelfen, dass es gelingt", erzählt die Gastgeberin. Diese Einstellung spüren auch die Gäste, wenn sie ins "Alatsee" kommen: Hier geht es nicht um Inszenierung und Perfektion, sondern um Herzlichkeit und eine schöne Auszeit am Ufer des verwunschenen Alatsees.
3. Freischwimmer: Der Schwansee Kiosk im Schwanseepark
Im Schwanseepark, wo einst die bayerische Königsfamilie spazierte und den Sommer genoss, schauen heute Gäste staunend auf die majestätische Kulisse aus Bergen und den beiden Königsschlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau. Und sie stolpern dabei meist ganz unverhofft über eine Überraschung am Waldrand: den Schwansee Kiosk.
Statt mit Hofetikette werden sie hier mit Kaffee, selbstgemachten Kuchen und vielen anderen Leckereien empfangen. „Wenn uns die Leute entdecken, sind sie grundsätzlich schon positiv eingestellt, weil sie einen Kiosk mitten in der Natur nicht erwartet haben", erzählen Helga und Niccola Zich, die ihn seit 2020 gemietet haben. „Wir überraschen sie zudem mit einer Auswahl, die über das klassische Kioskangebot hinausgeht. Das freut die Gäste umso mehr und sie nehmen gerne bei uns Platz."
Ein Klassiker ist zum Beispiel das vegane Linsencurry, das immer auf der Tafel steht und je nach Saison und Personalstand mit anderen fleisch- und milchfreien Speisen ergänzt wird, wie zum Beispiel Chili sin Carne und Couscous-Salat. „Als wir angefangen haben, gab es im Umkreis noch wenig für Veganer*innen und wir wollten das Angebot damit erweitern. Das hat gut funktioniert und die Nachfrage ist weiter gestiegen. Wir bieten aber auch Weißwürste und Wiener an, denn es soll jeder das bekommen, was ihm schmeckt", erklärt das Gastgeberpaar. Ihr Angebot erfüllt seit diesem Jahr sogar die anspruchsvollen ECARF-Richtlinie für Allergiker*innen.
Besonders beliebt bei den Gästen sind die selbstgemachten Kuchen von Helga Zich. Selbst nach einem langen Kiosktag stellt sie sich noch gerne um 20 Uhr in die Küche, um eine Auswahl an süßen Genüssen zu backen: Mohnkuchen, Zupfkuchen mit Beeren, verschiedene Streuselkuchen mit Obst der Saison, veganen Schokokuchen oder Käsekuchen. „Auf den bin ich sehr stolz, denn das Rezept dafür habe ich selbst kreiert. Ansonsten variiere ich gerne bei der Auswahl, damit es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Mich motiviert es, wenn die Leute glücklich sind und unser Essen und unseren Kuchen loben. Anstatt nach der Arbeit auf die Coach zu liegen, backe ich deshalb abends noch eine Runde."
Und ihr Mann ergänzt: „Das tolle Feedback von den Gästen lässt uns den Marathon durchhalten, denn unsere Saison beginnt Anfang April und schließt Ende Oktober."
Unter den großen Bäumen gibt es schattige Plätze für die Gäste, dahinter beginnt die Liegewiese mit Blick auf's Märchenschloss und der Schwansee ist zwei Gehminuten vom Kiosk entfernt. Badegäste, Wander*innen und Radfahrer*innen gönnen sich hier gerne eine Pause, darunter auch zahlreiche Stammgäste. „Durch die Lage ist hier immer etwas los. Gerade die Schlossbesucher*innen sind überrascht, wie ruhig es hier ist, wenn sie in den Park kommen. Und die Einheimischen freuen sich, wenn der Kiosk nach der Winterpause ab April wieder offen hat", erzählen die beiden. „Zu dieser Zeit kann es aber sein, dass wir mit dicker Jacke, gefütterten Stiefeln und Heizlüfter hier stehen." Ein älterer Stammgast hat den beiden immer Anekdoten erzählt und ihnen sogar eine "Ode an den Schwansee" gedichtet, die jetzt gerahmt innen neben dem Ausschank hängt.
2020 wurde die ehemalige, zu diesem Zeitpunkt nicht mehr genutzte Wasserwachthütte von der Gemeinde Schwangau gastronomisch umgebaut und an die Zichs verpachtet. Sie durften bereits in der Umbauphase mitentscheiden und jedes Jahr kommt eine Neuerung hinzu: So gibt seit Neuestem kostenfreies BayernWLAN und bald kommen weitere Fahrradständer hinzu. Auch einen Brunnen gibt es neben dem Kiosk.
Das Gastgeberpaar hat mit dem kleinen Betrieb das gefunden, was es glücklich macht. Seit diesem Jahr betreiben die beiden noch einen weiteren Kiosk am Illasbergsee. „Der Schwansee Kiosk hier bleibt aber unser Herzstück. Uns gefällt es einfach so gut an diesem Platz. Es ist eine Idylle und wir nehmen es nicht als selbstverständlich, hier zu arbeiten", erzählen Niccola und Helga Zich.
Für das Allgäu ließ die Augsburgerin Helga ihr altes Leben hinter sich und wagte einen Neuanfang in der Gastronomie. „Ich staune jedes Mal, wenn ich hier rauskomme, und kann mich an der Landschaft nicht sattsehen. Ich habe lange nach etwas gesucht, in das ich meine Leidenschaft stecken kann. Mit dem Kiosk haben wir beide unseren Weg gefunden und ich endlich das, was mir wahnsinnig viel Spaß macht."
Seit die Zichs den zweiten Kiosk betreiben, bleibt keine Zeit mehr für eine morgendliche Schwimmrunde im Schwansee, aber die Wassertemperatur wird jeden Tag aktuell gemessen und am Kiosk auf die Tafel geschrieben. Den Sommer holt das Paar dann im Winter mit Familien- und Freudebesuchen und einem Abenteuer- und Strandurlaub nach. So schöpfen sie Kraft für die neue Schwansee-Saison mit viel frischem Wind und neuen Ideen.
4. Wellenreiter: Die Gastronomie der Forggensee-Schifffahrt
Leinen los und schon wechselt der Motor die Tonlage und ein tiefes Brummen lässt den Schiffskörper der MS Füssen vibrieren. Schon bald dreht sich die Schiffsnase weg vom Ufer und die Unruhe weicht einem gleichmäßigen Summen. Jetzt geht es auf den größten Stausee Deutschlands, den Forggensee, hinaus und das Schiff zieht seine Route durch das türkisblaue Wasser - begleitet von sanftem Wellenplätschern und immer neuen Ausblicken auf den See, die Berge, Füssens Altstadt und die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau.
Was die Gäste nicht sehen: Lange bevor sie zur ersten großen Rundfahrt um kurz vor zehn aufs Schiff gehen, hat die Crew schon mit den Vorbereitungen begonnen. Am Morgen rollen die Lieferautos zum Lager neben den Bootshäusern an und bringen Kisten mit frischem Obst, Gemüse, Fleischwaren, Brötchen, Eis und Getränken.
Danach wird "gebunkert", also die Ware an Bord gebracht. Dort bestückt das Serviceteam die Theke mit frischen Kuchen, heizt die Kaffeemaschine auf und bereitet die ersten Gerichte vor. Dabei gilt die Devise: „Es gibt das, was schmeckt, schnell geht und schön aussieht, denn das Auge isst schließlich mit", meint Kessy Schwabe, die zusammen mit Christoph Würkert das Serviceteam der MS Füssen leitet. Denn kein Fahrgast möchte auf einer ein- oder zweistündigen Fahrt auf sein Essen warten.
Es muss also alles gut vorbereitet sein in der kleinen Kombüse, die nur ein paar Quadratmeter groß ist und aus der bei einer ausgebuchten Fahrt je nach Schiff zwei- bis vierhundert Gäste versorgt werden. Deshalb wird hier jeder Zentimeter genutzt und die Schiffsküche unterscheidet sich grundlegend von einer Restaurantküche an Land. Die Wassertanks sind begrenzt, den Strom liefert der schiffseigene Generator und es gibt keinen Keller, um notfalls für weiteren Nachschub zu sorgen. „Wir müssen alles beieinander haben, wenn wir losfahren, denn wir können nichts mehr holen, wenn die Passagier*innen mehr trinken und essen als geplant. Deshalb ist die Kontrolle vor der Abfahrt sehr wichtig", erklärt Christoph Würkert.
Neben einer Prise frischer Seeluft an heißen Sommertagen gibt es an Bord der MS Füssen und deren kleinen Schwester MS Allgäu eine bodenständige Küche ohne Schnörkel: frische Salate, Currywurst, Wienerle mit Kartoffelsalat, Obazda mit Breze oder köstliche Sahnetorten und Kuchen wie beim Sonntagscafé daheim.
Das Team legt Wert darauf, möglichst ohne Fertigprodukte auszukommen und macht zum Beispiel Suppeneinlagen und die Soßen zu den Gerichten und Salaten selbst. „Die Currysoße von Christoph schmeckt einfach genial", schwärmt Kessy Schwabe und probiert deshalb auch gerne, wenn ihr Kollege sie fertig gekocht hat. „Kein Wunder, dass die Currywurst unser Dauerbrenner bei den Gästen ist. Wir bieten darüber hinaus auch immer mal wieder für einen begenzten Zeitraum etwas Besonderes an wie zuletzt Hot Dogs."
Neben den regulären Tagesfahren finden auf dem Forggensee auch Sonderfahrten der Forggenseeschifffahrt statt. Das "Musicalschiff", das seit 2016 an lauen Sommerabenden über den Forggensee gleitet, ist bei den Gästen besonders beliebt. Bei den stimmungsvollen Dinner-Fahrten schenken die Musical-Profis Marc Gremm und Janet Chvatal - des Öfteren auch mit musikalischen Gästen – den Fahrgästen ein besonderes Erlebnis auf dem See.
Gremm, der durch seine Rollen als König Ludwig und Graf Dürckheim im Musical "Ludwig²" im Festspielhaus Neuschwanstein bekannt wurde, hat neben der Musik noch eine ganz andere Leidenschaft: Als passionierter Koch veröffentlichte er mit seiner Gesangs- und Lebenspartnerin Janet Chvatal bereits ein Kochbuch. Deshalb bringt er seine eigenen Ideen und Vorstellungen für das Dinner an Bord ein und bespricht sie mit Christoph Würkert. Auch hier gilt: Das Angebot muss in der kleinen Küche machbar sein. „Wir schmücken das Schiff dann mit Lichtergirlanden und decken die Tische für die Galatafel festlich ein. Das sind immer sehr besondere Abende", erzählt der Serviceleiter.
Die Passagier*innen der Forggenseeschifffahrt lieben das Gesamterlebnis: Wie die Wellen leicht gegen den Rumpf schlagen, die Seeoberfläche wie gebügelt aussieht und das Ufer mit immer neuen Eindrücken vorbeizieht. „Die Gäste wollen die schönen Seiten des Allgäus ohne Stress und Druck genießen und genau dieses Erlebnis schenkt ihnen eine Seefahrt. Sie können sich einfach ein Getränk, ein Stück Kuchen oder eines unserer Gerichte an die Tische nehmen und die Aussicht genießen. So bekommen sie ganz schnell den Kopf frei", meint Serviceleiterin Kessy Schwabe.
Sie selbst schnupperte zum ersten Mal 2017 Bordluft auf den Forggenseeschiffen, arbeitete zwischenzeitlich auf einer Berghütte und heuerte vor zwei Jahren erneut an. Seitdem ist sie froh, wieder an Bord zu sein. „Das gesamte Team ist einfach toll! Alle tun ihr Bestes und die Leute spüren, dass wir Spaß an der Arbeit und auch mal einen flotten Spruch auf den Lippen haben", meint Schwabe. Gerne springt sie nach einem langen Arbeitstag dann noch in den See. „Manchmal hören wir von unseren Gästen, dass sie auch gerne den ganzen Tag im schönen Allgäu Schiffchen fahren würden. Doch es steckt auch ziemlich viel Arbeit dahinter, dass sie eine tolle Zeit bei uns haben."
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