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Das Land König Ludwig II


König Ludwig II
König Ludwig II

Die Bewohner zwischen Säuling und Auerberg und zwischen Nesselwang und Trauchgau haben schon eine besondere Beziehung zu ihrem König. Auch wenn sie schon längst republikanisch geprägt sind und die meisten von ihnen schön brav an demokratischen Wahlen teilnehmen, ihre treue Liebe zu diesem König ist vielleicht sogar einzigartig auf der ganzen Welt. Tief in ihrer Seele sind viele von ihnen Monarchisten geblieben, doch ist diese Königstreue an eine besondere Person gebunden. Es ist der König, der in ihrem Füssener Land aufgewachsen ist, der hier die meisten Jahre seines Lebens zubrachte und der hier das königlichste seiner Schlösser baute:  Neuschwanstein. Ihr König ist es und wird es immer bleiben. Er ist längst unsterblich geworden. Er kam am 25. August 1845 im Schloß Nymphenburg in München zur Welt.

Der Kronprinz genoss keineswegs eine unbeschwerte Kindheit. Er und sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Otto sollten früh an die Bürde königlicher Pflichten gewöhnt werden. Der Umgang mit anderen Kindern war ihnen untersagt und der Kontakt zu den Eltern wurde auf ein Minimum beschränkt. Nach Überzeugung damaliger fürstlicher Pädagogen sollte eine Distanz zu den Eltern die Selbstständigkeit der Heranwachsenden fördern. Die Prinzenbrüder verbrachten einen Großteil ihrer Kindheit fern der Hauptstadt München auf  Schloss Hohenschwangau. Getrennt von Eltern, erzogen von nüchternen und korrekten Beamten, die vor allem darauf bedacht waren, den Kronprinzen mit den Realitäten der Welt vertraut zu machen, lebte Ludwig jedoch hier in einer Umgebung weit entfernt von der großen Staatspolitik. Eine phantastische Naturlandschaft und ein burgartiges Schloß, ausgefüllt mit romantischen Wandbemalungen deutscher Märchen und Heldensagen und den allgegenwärtigen Schwanen-Motiven, prägten den phantasie- und gefühlvoll veranlagten Ludwig. Heimlich begann der Heranwachsende, sich nachts mit dem zu beschäftigen, was ihn besonders interessierte: Theater, Opernlibretti und Literatur. Tief bewegt erlebte der 15jährige Kronprinz am 02. Februar 1861 seine erste Opernaufführung. Wagners Lohengrin sollte für ihn zu einem Schlüsselerlebnis werden. Von nun an wurde er einer der glühendsten Verehrer Richard Wagners und sein größter Mäzen.

Sehr jung (im Alter von 18 Jahren) bestieg der Kronprinz am 10. März 1864 den bayerischen Thron, nachdem sein Vater, König Maximilian II., mit erst 53 Jahren überraschend gestorben war. Die Sympathie seiner Untertanen war ihm gewiß: Der junge, attraktive Ludwig galt als der schönste und von den Frauen begehrteste König seiner Zeit.

Eine sehr enge, persönliche Beziehung verband den König zu seiner Cousine und österreichischen Kaiserin Elisabeth, genannt Sissi. Sie hatten viele Gemeinsamkeiten und fühlten sich seelenverwandt: Ludwig und Sissi gaben sich gerne unkonventionell, liebten die Einsamkeit, hassten höfischen Zwang, waren bildungseifrig und sehr belesen, vor allem, was klassische Literatur betraf. Beide waren gegen Krieg und Gewalt, hatten ein sehr selbstbewußtes Verhältnis gegenüber der Kirche und suchten aufrichtige Freundschaft zu Menschen, die ihnen uneigennütz Halt geben konnten. Beiden blieben Enttäuschungen nicht erspart.

In den kommenden Jahren zog sich der von seinen Ministern oft realitätsfern genannte König immer mehr in die phantastische Traumwelten seiner Schlösser in wilder Bergeinsamkeit zurück. In nur zwei Jahrzehnten auf dem Thron entstanden immer neue und kühnere Pläne. Einige (beispielsweise Schloss Falkenstein) wurden nicht realisiert. Andere wurden Wirklichkeit und werden auch heute noch von Besuchern aus aller Welt bewundert: Das im französischen Stil erbaute Rokokoschloss Linderhof, Schloss Herrenchiemsee nach dem Vorbild von Versailles und als Höhepunkt das berühmte, der mittelalterlichen Wartburg nachempfundene Märchenschloss Neuschwanstein.

Geliebt von seinem Volk aber gehasst von seinen Ministern, wurde Ludwig II. im Jahre 1886 für geisteskrank erklärt und abgesetzt. Neuschwanstein sollte auch sein letzter Aufenthaltsort sein, ehe man ihn nach Schloss Berg am Starnberger See brachte. Am 13. Juni 1886 starb er auf mysteriöse Weise im Starnberger See. Die Umstände seines Todes geben bis heute Anlass zu vielfältigen Spekulationen. War es ein Unfall während eines Fluchtversuchs, Selbstmord oder gar Mord durch seine politischen Gegner? Die Akten des geheimen Hausarchivs, die das Geheimnis vielleicht lüften könnten, sind noch immer verschlossen. Ludwig II. erlebte Neuschwanstein noch als Baustelle von Gerüsten umgeben. So wie es sich dem Auge der Besucher der Neuzeit darbietet, sah er es nie. Die begonnenen Arbeiten wurden erst nach seinem Tode fertiggestellt.

Die Legende des Märchenkönigs lebt weiter, für Bayern und die Gäste aus aller Welt.

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